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short score

 

 

 

CLIFFHANGER
Trevor Jones (La-La Land Records)


Nach Intrada 2011 ist dieses Mal La-La Land an der Reihe um Cliffhanger erneut auf CD zu bahnen. Nebst den 93 Minuten Score nimmt sich das Label allerdings die Freiheit auch die alte Scotti Bros. Scheibe von 1993 nochmals aufzulegen (mit den gegenüber der Scotti berichtigten Tracktiteln).
Angeführt wird Trevor Jones Musik von seinem sofort ins Ohr gehende Hauptthema, gleich im ersten Stück („Cliffhanger Theme“) gespielt zu hören. Dieses Thema wiederholt Jones oft, sehr oft. Leider sind die Variationen für dieses Thema recht eingeschränkt und das tut dem Score selbst über eine länge von anderthalb Stunden nicht allzu gut. Auch liefert die Musik für einen Actionfilm Material, aber nie klingt sie hart und knackig wie Genremusik anderer Komponisten aus jener Zeit. Ja man darf wohl sagen,
Cliffhanger lässt da und dort den nötigen Bumms in den Spannungstracks vermissen. Regisseur Renny Harlin wurde auf Trevor Jones auf Grund von The Last Mohicans aufmerksam (naja, den Jones Teil natürlich, nicht die Edelman Stücke), war aber nach den ersten mock-ups eher enttäuscht, weil er die Musik als zu actionbetont empfand. Der Südafrika stämmige Komponist hob deshalb sein Hauptthema vermehrt heraus und kreierte einen epischeren Score um den Wünschen Harlins gerechter zu werden.

  phb

 
 



 

CUTTER'S WAY
Jack Nitzsche, (Quartet)

 

Jack Nitzsche war eine Persönlichkeit in der Musik- und Filmbranche, ein Mann mit Ecken und Kanten mit dem nicht jeder konnte. Eine seiner angesehensten, aber bisher nicht veröffentlichten Arbeiten stammt zu Cutter's Way. Die Besonderheit am Score zu diesem Post-Vietnamfilm ist die Tatsache, dass der Komponist hier mit einem speziellen Instrumentarium auftrat. So sind prominent beispielsweise die Glass harmonica sowie die singende Säge eingesetzt, ausserdem ist eine Zither zu hören. Hierzu gibt es eine kleine Geschichte, wie in den hervorragenden Liner Notes erzählt: Eigentlich wollte Nitzsche Anton Karas (unvergesslich, insbesondere in Kreisen fernab der Filmmusikhörer, wenn auch sehr monoton in The Third Man) engagieren, doch bei einem Treffen bemerkte er, dass dieser sein Instrument recht eingeschränkt spielen und dem Komponisten nicht das geben konnte, was ihm vorschwebte.
Nebst einer traditionelleren Besetzung und einer guten Dosis mexikanischem Touch benützt Nitzsche auch Tapeeffekte (gleich im ersten Stück „Main Title“) und ähnliches. Äusserst prominent ist das Hauptthema, das der Komponist oft verwendet, ausserdem ein Motiv für den Filmfiesling dieses Antihelden Streifens.
Cutter's Way wird durch den Einsatz der erwähnten Instrumente zu einer besonderen Musik, nicht immer einfach goutierbar, doch durchaus interessant.

1/2     phb
 
 

 

 

 

MADAME SANS GÊNE
Angelo Francesco Lavagnino (Alhambra)


Obwohl dieser 1961 entstandene Kostümfilm in Frankreich zu Zeiten Napoleons angesiedelt ist und somit das Militaristische eine gewisse Rolle spielt, haben wir es hier primär mit einer romantischen Komödie zu tun, die ganz auf Hauptdarstellerin Sophia Loren zugeschnitten ist. Diese Tatsache spiegelt sich auch wider in Lavagninos wunderbarem Zusammenspiel von im zeitgenössischen Stil komponierter Märsche, Romantik unterschiedlicher Ausprägung, Tänzen wie Tarantella und Walzer und höfische Eleganz ausstrahlender Stücke. Gezielter Einsatz eines Cembalos trägt das seinige zum Ausdruck des Zeitkolorits bei. Wenig überraschend spielt die Dramatik eine untergeordnete Rolle in diesem prächtigen und ausgewogenen Score, den Alhambra als Erstveröffentlichung präsentiert.

  as

 
 


 

L'AMANT
Gabriel Yared (Music Box Records)


Music Box Records erweitert die bisherigen Varèse und Virgin Auflagen von L'amant um 32 Minuten, darunter ein paar source music Stücke (deren drei waren bereits auf den alten Tonträgern), die nicht vom Score abgesondert auftauchen, doch stört das hier für einmal weniger als andernorts. Yared lässt die Zeitperiode, in der Jean-Jacques Annauds auf einem bekannten Roman basierenden Film spielt – nach der Zusammenarbeit für die Winterspiele in Albertville 1992 der erste Kooperation der beiden – nur ganz fein in seine Filmmusik einfliessen, unauffällig und mit viel Gefühl. Gefühlvoll gilt hier überhaupt, insbesondere das Hauptthema, einfach gehalten, ohne überbordende Dramatik, oft vom Klavier, Streichern und einer Klarinette gespielt („Nocturne“ oder das wunderschöne „Le départ“) ist ein Schmankerl. Asiatisches lässt Yared fast gänzlich weg, nur hie und da tauchen Momente auf, die ein Lokalkolorit durchschimmern lassen, abgesehen vom deutlich fernöstlich beeinflussten „Variation libre sur La Chant des Boys (maquette)“.
L'amant ist eine wundervolle, romantische Musik, derer man sich kaum entziehen kann. Annaud und Yared arbeiteten später bei Wings of Courage und Deux frères nochmals zusammen.. Etwas mehr Infos im zweisprachigen Booklet wären wünschenswert gewesen, aber das ist nicht die Stärke des Labels.

1/2    phb

 
 


 

A SUMMER STORY
Georges Delerue (Music Box Records)


Eine der Überraschungen letztes Jahr war die um 15 Minuten verlängerte (und nun zum grössten Teils chronologisch gehaltene) Edition von A Summer Story, der Film ist ein von ITC produziertes romantisches Drama, das über mehrere Jahre anfangs des 20. Jahrhunderts spielt.
Geschrieben für Streicher und Holzbläser, besticht
A Summer Story durch zwei wundervolle Hauptthemen und viel Romantik, in der bestechenden Art und Weise wie Delerue dieses Genre beherrschte, umgesetzt. Hinzu kommt die dramaturgische Verwendung beider Instrumentengruppen: So werden die Protagonisten, Frank und Megan, jeweils mit einem Thema bedacht, gespielt von Streichern (für Frank) und Holzbläsern (für Megan). Je länger die Romanze andauert umso mehr verschmelzen Delerues Ideen. Interessanterweise spielen schlussendlich, wenn Frank sich an seine vergangene Liebe (Megan) erinnert, vermehrt die Streicher anstatt die Holzbläser Megans Motiv. Manch anderer Komponist hätte hier die eingeführte Idee einfach weitergesponnen.
Sicherlich funktioniert auch die alte Scheibe von
A Summer Story, die zusätzlichen Tracks (drei an der Zahl), die Filmversion eines und die erweiterten Stücke erhalten an sich kein neues Material, doch wenn mit dieser in limitierter Auflage erhältlichen CD vielleicht neue Filmmusikhörer an George Delerues Schaffen herangeführt werden, erhält diese schöne Ausgabe von Music Box Records doch sicherlich ihre Berechtigung?

1/2    phb

 
  

 


 

WHEELER
Wheeler Bryson (Varèse Sarabande)


Die Alteingessenen wissen es längst: „Music from the Motion Picture“ verheisst meist nichts Gutes. Im Falle von Wheeler bedeutet es Songs, Songs, Songs. Okay, ist man Countryfan oder mag den Film mit Stephen Dorff in der Hauptrolle ganz besonders, kann man damit sicher leben. Ansonsten ist das hier nichts weiteres als eine Stephen Dorff CD mit einem Bonustrack von Country und Schauspiellegende Kris Kristofferson (unvergesslich als Ribber Duck in Convoy), der notabene auch noch der beste der 13 Songs ist. Ein Stück, „Eulogy“ ist das einzige Instrumentale der CD. Written by Stephen Dorff (Sohn des Komponisten Steve Dorff) natürlich, der ausser „New Mister Me“ sämtliche Songs geschrieben und eingesungen hat.

  phb
 
  



 

THE WONDERS OF ALADDIN
Angelo Francesco Lavagnino (Alhambra)


Bei der aktuellsten Lavagnino-Veröffentlichung von Alhambra handelt es sich mit diesem Score zu einer Henry Levin/Mario Bava-Kollaboration erneut um eine Weltpremiere aus dem für den Komponisten überaus produktiven Jahr 1961. Dem alles andere als ernst gemeinten 1001-Nacht-Streifen verpasst Lavagnino eine oftmals überaus lebhafte und agile Musik, ist sehr kreativ im rhythmischen und perkussiven Bereich und spielerisch im Umgang mit zahlreichen orientalischen Elementen, zeigt sich humorvoll, schafft für Prinzessin und Grosswesir gefühlsmässige Gegenpole. Ebenso stimmungsvoll wie stimmig gestaltet er die Auftritte von Figuren wie Amazonen, Genie, Magier, tanzender Puppe und Skelett. Auch Abenteuer, Action und Dramatik werden mit sicherer Hand ausgearbeitet, und bezüglich Gesamteindruck bleibt festzuhalten: Lavagnino vermag seinen eigenen Platz zwischen vergleichsbaren Werken eines Miklós Rózsa oder Bernard Herrmann mit Überzeugung zu behaupten.

1/2   as

  
  
  
 
 15.3.2017