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HANS ZIMMER – THE CLASSICS

Hans Zimmer

Sony

57:38 Min.
12 Tracks

 

  

Für Hans Zimmer – The Classics haben sich gestandene Grössen der Musikbranche und langjährige Arbeitskollegen von Hans Zimmer zusammengefunden, um einige der bekanntesten Melodien Zimmers neu arrangiert zum Besten zu geben. Resultiert ist unter dem Strich ein kurzweiliges Album, dessen Titelwahl jedoch breiter hätte ausfallen dürfen und wovon einige Neueinspielungen so nahe am Original dran sind, dass sie etwas obsolet wirken.

Zuerst zur Titelwahl: Hans Zimmer ist seit den späten 1980er Jahren ein umtriebiger Komponist, wobei ihm mit Filmmusiken zu
Rain Man (1988) und Driving Miss Daisy (1989) definitiv der Durchbruch gelang. Letztere präsentiert wohl eines seiner bekanntesten Themen, welches auf diesem Album schmerzlich vermisst wird. Wenn man an Klassiker von Hans Zimmer denkt, kommen einem zudem auch Melodien aus A World Apart (1988), Backdraft (1991), The House of the Spirits (1993) und Beyond Rangoon (1995) in den Sinn – allenfalls auch aus The Power of One und A League of Their Own (beide 1992). Aus Zimmers vor-2000er-Schaffen haben es lediglich Crimson Tide (1995), The Lion King (1994) und The Thin Red Line (1998) auf das Classics-Album geschafft – definitiv Klassiker, aber da hätte es gemäss obgenannter Filmmusiken noch einige weitere interessante Themen gegeben. Sein Schaffen im neuen Millennium ist hingegen üppig vertreten, wobei lediglich das Langdon-Thema aus The Da Vinci Code (2005) noch mit drauf gepackt hätte werden sollen. Doch torpedieren sich hier wohl zwei Sichtweisen: Sollen die gewählten Highlights sein breites Schaffen repräsentieren, oder sollen sie seine populärsten Titel aufgreifen? Zweites dürfte der Fall gewesen sein, weshalb die inkludierten Titel nachvollziehbar wenn auch zu Bombast-Score-lastig sind. Trotzdem schade, dass bspw. Driving Miss Daisy (hier hätte Lang Land noch einen Piano-Part drauflegen können) oder The Da Vinci Code (bspw. mit Violinist Joshua Bell oder Maxim Vengerov) aussenvor gelassen wurden.

Doch nun zu dem, was auf dem Album drauf ist: Der Auftakt mit Violinistin Lindsey Stirling und dem
Main Theme aus The Dark Knight Rises (2012) ist gelungen, vermag es zum eher anonymen Original doch eine interessante Facette mit dem Violinenspiel hinzuzufügen (wenn sich auch Reminiszenzen zu James Newton Howards fantastischem The Village (2004) aufdrängen). The Dark Knight Rises jedoch als Klassiker zu sehen, scheint etwas verwegen – hier dürfte die Popularität den Entscheid begünstigt haben. In vergleichbarem Licht erscheint auch Flight aus Man of Steel (2013) – im Original eher ernüchternd, ist das hier präsentierte Arrangement mit Lang Lang am Klavier und Violinist Maxim Vengerov wirklich mitreissend ausgefallen. Der zweite Track nimmt sich dem Pirates of the Caribbean-Universum (2003) an. Diese Themen haben definitiv Klassiker-Status, doch ist diese Version so nahe an bisher veröffentlichten Aufnahmen mit diesen und ähnlichen Themen dran, dass die Piano Guys-Note neben dem stark präsenten Orchester kaum durchdringt. Die weltberühmte Musik zu Gladiator (2000) darf natürlich auch nicht fehlen und ist sogleich mit drei Tracks vertreten (total rund 15 Minuten, sprich ¼ der Albumspielzeit): Now We Are Free, gesungen von Leona Lewis (so nahe am Original, dass es leider redundant ist), und die Piano-Versionen Gladiator Rhapsody (mit Lang Lang) und The Battle Scene (mit Khatia Buniatishvili). The Battle Scene ist extrem beeindruckend und lässt diese vielzitierte Musik dank dem virtuosen Klavierspiel von Buniatishvili in neuem Licht erscheinen. Toll und definitiv das Highlight auf diesem Album.

Das
Main Themen von Crimson Tide besticht mit melancholischem Trompetenspiel von Till Brönner und es macht Freude, dieses potente Hauptthema in einer Neueinspielung hören zu können. Hingegen bieten weder Time (Cello-Solo von Tina Guo) noch Mombasa (mit den 2Cellos) aus Inception (2010) eine wirklich neue Facette gegenüber der Originalaufnahme, weshalb man beide Tracks (in dieser Form) mit anderen Arbeiten hätte ersetzen können. Ähnlich sieht es aus mit der Docking Scene aus Interstellar (2014; mit Roger Sayer an der Orgel) – ein Highlight aus dieser gelungen Filmmusik, doch in dieser neu arrangierten Form eher entzaubert. This Land aus The Lion King ist hingegen eindeutig wieder Klassiker-Material und auch wenn die Saxophon-Soli zu Beginn etwas merkwürdig anmuten, ist das Arrangement und das Solospiel von Amy Dickson wirklich gelungen.

Fazit:
Hans Zimmer – The Classics bietet kurzweilige Unterhaltung. Etwas weniger Gladiator (wobei Buniatishvilis Beitrag mit The Battle Scene sehr beeindruckend ausgefallen ist und zwingend gehört werden muss) und Inception, dafür noch die eine oder andere Neuaufnahme eines Zimmer-„Oldies“ wie Driving Miss Daisy oder Beyond Rangoon um das facettenreiche Schaffen dieses Komponisten etwas adäquater auszuleuchten, wären wünschenswert gewesen. Doch kann dies ja allenfalls in einer nächsten Classics-Runde noch erfolgen.

 
 bb 27.2.17