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Krieg der Sterne. Used Future klingt gut.
von Manfred Schreiber


1977 startete u.a. auch ein Kinofilm mit höchst unüblichen Dingen: Kriechtitel-Schrift führte in die Story ein, an die wohl nur Comic-Verrückte glaubten. Dann entbrannte eine, für damalige Sehgewohnheiten hitzige, Weltallverfolgungsjagd (In- / Outdoor), mündend in der Odyssee zweier Droiden auf dem Planet Tatooine (den nun wirklich niemand kannte). “Der goldene Roboter” artikulierte sich wie ein feiner Ober, stakste neben seinem piepsend-rollenden “Mülltonnen-Sidekick” durch die Sanddünen – Zitat: “Wir sind eben zum Leiden geschaffen, das ist nun mal unser Los.”
Geschichtenerzähler George Lucas liess sich wahrlich Zeit für seine zwei Droiden da draussen. Inklusive Science-Fiction-Leinwand-Märchen-Soundtrack (man geniesse speziell auf historischem Polydor-Doppelalbum: LP 1, Seite A, Track 4, “The Desert and the Robot Auction” – ein John Williams-Statement).

Das Zeitalter des STAR WARS-Universums ist kaum von uns Zeitgenossen her fassbar, dies war seit 1977 so und wird müßig bleiben – jedenfalls: Ein Fest für Storyboarder und Designer. Was Cineasten auch bei Ridley Scott’s Alien (1979) und Blade Runner (1982) besonders begeisterte:
Used Future, kurz: abgeblätterte, zerschrammte Alltagsdinge. Obwohl z.B. das L.A. aus Blade Runner konkret mit “November, 2019” benannt wird und deutlich vor den Ereignissen um die Skywalker-Familie spielt ist Used Future in beiden Welten präsent, was schlicht Freude macht. Keine sterilen Szenarien mehr wie sie frühere SciFi-Werke transportierten. Es leben Kratzer, Beulen, Brüche, Reparaturspuren an Rüstungen, Gleitern und Sternenschiffen.

Auf Kinozauber darf weiter gehofft werden: Shadows of the Empire (1996) – der Roman von Steve Perry widmete sich allerhand Geschehnissen zwischen Empire und Jedi, zwischen den Episoden V und VI (große Pipeline für Andy Serkis?). Der Soundtrack zum Buch erschien damals auch, Komponist Joel McNeely interpretierte die musikalische STAR WARS-Magie hervorragend.

1997 kamen “unsere Episoden IV, V, VI” digital aufpoliert (und mit mehr oder weniger sinnvollem Bildmaterial obendrauf) wieder in die Kinos. Was George Lucas dann erzählen wollte: Woher kam Darth Vader – wer war er vor dieser diabolischen Maschine?



1999 musste man als STAR WARS-Liebhaber der 1970er, 1980er Jahre beginnen umzudenken: Lucasfilm brachte ab ’99 3x Frühgeschichte heraus, zu lieb gewonnenen Kindheitserinnerungen – im Volksmund: “dem ersten” Krieg der Sterne (1977), “dem besten zweiten” Das Imperium schlägt zurück (1980), “dem dritten” Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983). Diese klassische, gehütete Trilogie sollte eine Legende erhalten.
Etwa Robert Zemeckis oder David Fincher – sicherlich hätten beide interessante STAR WARS-Regiearbeiten markiert, doch Lucas, der finanziell unabhängigste aller Independent-Filmemacher, lieferte eigenhändig von 1999 bis 2005 die Episoden I, II, III nach.

Episode I: The Phantom Menace (1999) schickte Anakin Skywalker als All American Kid mit erhöhtem Midi-Chlorianer-Wert ins Rennen – Darth Vader’s Schatten, kaum auszumachen. Endlich ein Wiedersehen mit Tatooine. Unbefleckte Empfängnis – jetzt auch in der Galaxis, weit, weit entfernt. Pod-Racing kam in Mode, Jar Jar Binks schaffte es mühelos beim Ü-15-Publikum zur gekrönten Hassfigur.
Wildfremde Leute stützten sich nach dem Kinobesuch gegenseitig – viel hatte man altgedienten STAR WARS-Enthuisiasten abverlangt (nicht nur bei deutscher Synchro). Doch fair muss man bleiben: Phantom Menace stand auch nicht ohne seine Momente da.

Episode II: Attack of the Clones (2002) liess Anakin zum heißspornigen Jedi heran reifen – Darth Vader rückte schon näher, wenn auch nicht äußerlich. Das Coruscant-Opening fühlte sich nach Terrorbildern des realen Lebens an, selbst STAR WARS kam da nicht drumherum. Kamino, keine Reise wert – Sauwetter und magersüchtige Aliens. C-3PO schwafelte unentwegt schrottreifes Zeug, R2-D2 zündete überraschend feurige Düsen, Meister Yoda bewies wahre Fitness. Koffer wurden gepackt, ein Hingucker.
Lucas’ Liebesfilm-Karussell (gegen die Schäferstündchen mit Amidala und Anakin wirkte das, was Leia und Solo im hyperantriebslosen Falken einst “veranstalteten” wie Comedy).



Episode III: Revenge of the Sith (2005) offenbarte Anakin Skywalkers fatale Sucht nach unsterblicher Liebe – letztlich führte dies zur Auferstehung Lord Vaders. Die Laserschwertfights, nicht gerade für 4-jährige envogue. Luke und Leia wurden geboren und fernab voneinander vor Vader versteckt.
Ankoppelung: John Williams’ End Credits zollten “dem ersten” Episode IV: A New Hope direkten Tribut, ebenso das Set-Design (speziell der letzten Filmminuten). So einiges musste in Revenge of the Sith hineingepackt werden – besonders die Order 66 (interessant gedreht) fühlt sich rasend an, nach allem, was man zuvor über den Verrat hörte.
2015, Einstieg ohne Twentieth-Century-Fox-Fanfare, aber endlich wird die STAR WARS-Saga weitererzählt: Episode VII: The Force Awakens. Modernität und Oldschool zu vereinen – kein simples Unterfangen, schief gehen durfte nichts, nicht bei der Größe des Erbes. Regisseur J.J. Abrams läutet mit The Force Awakens eine Ära ein: Nachdem das kreative Steuerrad von Urheber George Lucas an den Disney-Konzern übergeben war, wird das Laserschwert einer neuen Generation weitergereicht.

Abrams’ Episode bringt frische Dialog-Gradwanderungen (früher kaum denkbar), traditionelle Action und reichlich Tempo zusammen, gewürzt mit Weitblick – Luke Skywalkers Miniauftritt, platziert an bester Position, verspricht:
STAR WARS ist nicht am Ende (1983 fühlten wir anders, doch macht es heute wieder Spaß – und letztlich wirft das Alles zu viel Profit ab, selbstverständlich). Wohl niemand verzehrt sich nach einem “Der mit dem Wolf tanzt 2” oder “E.T. 2.0”. Jedoch, echte Laserschwerterklingenkreuzen: eine ganz andere Sache.

Die viel gelobte Cast-Chemie ist wirklich da, Humor kommt nicht zu kurz. Daisy Ridley spielt Rey, als wäre sie Rey – schnörkellos, glaubhaft.
Hoppla – ein ganzer Planet / Starkiller saugt waffenfähige Sonnenenergie auf, speichert, bündelt, feuert diese Kraft wieder anderen Erden entgegen, pulverisiert sie. Die antiken Todessterne waren wendiger. Was wird bloß folgen auf den (er hat’s nicht geschafft) Starkiller? Overkill – unzählige TIE-Fighters bei Tageslicht, beinahe schon too much. Allein der röhrende Antrieb liess früher noch zusammenzucken, heute sind sie überall.

BB-8 – es hätte erheblich schlimmer kommen können, der ist in Ordnung, hat Feuerzeug und “Mimik” parat. R2 (im Standby-Modus) mutet gegen BB-8 hühnenhaft an, beide Droiden werden sicher in zukünftigen Filmen aufgeregt fabulierend kooperieren. C-3PO – hält sich eher bedeckt, fast vermisst man ihn, doch Han’s erste Begegnung mit dem Goldjungen (eigentlich mit Leia), nach langer Zeit, sorgt für gute Stimmung und läßt gern weit zurückblicken. Leia – schön, sie dabei zu wissen, wenn auch nicht mitten im Getümmel. Der Widerstand braucht ihr Herz, backstage. Leia fühlt Han’s Tod. Rey ist ihre Vertraute, im Geiste allemal.



Verblendung – durch demagogisch-gebrüllte Rede eingeschworene Stormtrooper-Armee reckt die Faust gen Himmel, nun ja, der schwächste Episode VII-Moment, wenigstens gut geschnitten. Kylo Ren, zweifellos gefährlich – mit seinem Großvater verglichen wird er lange unterwegs sein müssen, was Kylo Ren sichtlich beschäftigt und zermürbt. Auch für diese schwierige Rolle ist mit Adam Driver der Richtige gefunden. Jeder junge Schauspieler könnte es nicht leisten, nicht bei diesem Produktions-Mammut. Rey und Kylo Ren – man sieht sich...

John Williams für den Soundtrack an Bord zu haben, kann ja nie schaden, aus der STAR WARS-Historie ist das ganz ordentlich belegt... Vorhandenes Material einfach nur abgewandelt aufzubrühen – dies war nie seine Sache. Natürlich sind markante Bilder mit “wohlvertrauten Melodien” verschmolzen – doch erklingen bei neuen Charakteren, gelinde gesagt, epische The Force Awakens-Klänge. Und zum leisen Outro, CD-Track 23, “The Jedi Steps and Finale”, beglückt auch noch eine “Spieluhr”!

Interessant in kommenden Jahren: Ob unsere Kids ab Neustart-Episode VII ähnlichen Zauber empfinden werden wie wir, die Kinder der 1970er Jahre? – aufgewachsen mit Tatooine, Mos Eisley und Cantina Band. Zu jener Zeit galt gut gemeinte TV-Ware als wertvoll, um das Warten auf weitere STAR WARS-Abenteuer erträglicher zu gestalten, tapfer voran: Kampfstern Galactica (1978), Mission Galactica – Angriff der Zylonen (1979) oder Buck Rogers (1979). Nebst der Muppets Show – Ausgabe 417 (dtsch. Erstausstrahlung 1981), mit Mark Hamill, dem Wookiee und beiden Droiden, Highlight: “Schweine im Weltall”.

Die SciFi-Bandbreite ist heute doch eine Spur vielfältiger, schneller, leichter verführerischer, überdimensionaler aus dem Netz gesogen. Letztlich sind alle STAR WARS-Movies auch nur Filme – phantastisch umgesetzt, magisch vertont, “zeitlos”. Alec Guiness adelte als Obi Wan Kenobi die klassische, gehütete STAR WARS-Trilogie seit je her. Insgeheim schaut der Krieg der Sterne-Liebhaber von ganz früher nur zu gerne den alljährlichen Puschenkino-Klassiker Der kleine Lord (1980) – sicher nicht wegen des Weihnachts-Feelings.

 

ms, 7.1.2016

 
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