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HOW TO TRAIN YOUR DRAGON

John Powell

Varèse Sarabande
VSD (CVS) 7012.2


71:49 Min. / 25 Tracks
  

“Drachenzähmen leicht gemacht” heißt der neue Animationsfilm von Dreamworks, der sowohl in 3D, als auch in 2D zu sehen ist.

Besagter Familienfilm spielt hoch im Norden auf einer Insel namens Berk, auf welcher starke Wikinger damit beschäftigt sind, ihre Insel vor gefährlichen Drachen zu retten.  Ein Teenager namens Hiccup soll seinen Vater stolz machen und auf eine Schule gehen, um zu lernen, wie man sein Hab und Gut vor Drachen verteidigt. Bevor er jedoch die Chance erhält, dies auf einer professionellen Schule zu lernen, wird die Insel von Drachen angegriffen und Hiccup sieht dies als die perfekte Gelegenheit, seinem Vater zu zeigen, was in ihm steckt. Dabei freundet er sich jedoch mit einem Drachen an…

Der Film, der in Deutschland an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurückblieb, in der IMDB allerdings auf  Platz 202 der besten Filme aller Zeiten gelistet ist – Stand April 2010 – (in wenigen Monaten wird er unter den besten 250 nicht mehr zu finden sein, so die Prophezeiung vom Orakel des Rezensenten), wurde von einem Komponisten vertont, der in dem Genre Animationsfilm bereits Erfahrungen gesammelt hat.

Ob die Musik selbst mehr zu überraschen vermag als die Tatsache, dass John Powell erneut einen kindgerechten Trickfilm vertont hat, war die spannende Frage.

Um es vorweg zu nehmen: Eine große Überraschung ist die vorliegende Musik nicht. Powell präsentiert dem Hörer nichts, was man nicht schon einmal in der Art von ihm gehört hätte. Doch das bewährte Animationsfilm- Konzept geht hier gut auf und wird von Powell ansprechend erweitert, wenn er etwa irische Flöte, Fiddle oder E-Gitarren einbaut. Zum traditionellen Orchester gesellt sich zudem ein Chor, der zum nötigen Bombast beiträgt. Powell webt in seine Partitur diverse musikalische Motive ein, welche er im weiteren Verlauf nochmals aufgreift – besonders prominent ist das Hauptthema zu hören, welches gleich zu Beginn in Erscheinung tritt, nachdem der Komponist ein leicht bluesiges Motiv anstimmen ließ, um es anschließend zur vollorchestralen Hymne zu transformieren.

Im Verlauf des Albums begegnen einem  jedoch auch alte Bekannte, wie vertraute Percussionrhythmen und etwas deplatziert wirkendes, synthetisches Hintergrundgewaber wie z.B. in „Forbidden Friendship“.  In „Ready The Ships“ etwa röhren die Hörner, gefolgt vom Chor – ein Rezept, auf das sich ein Hollywood-Komponist immer verlassen kann, das  aber mittlerweile auch etwas ermüdend wirkt – die Schiffe sind bereit, auf geht’s ins große Abenteuer.

Bei einer Laufzeit von über 70 Minuten verbleibt es nicht, dass sich von Zeit zu Zeit ein gewisser Leerlauf einstellt, doch in schöner Regelmäßigkeit schafft es Powell, den Hörer wieder aufzuwecken. Dies schafft er, wie erwähnt, mit teilweise wirklich bezaubernden Motiven und Orchestrierungen wie etwa im zweiten Teil von „Forbidden Friendship“. Ein Highlight ist auch „Romantic Flight“; auf traditionelle Hollywood-Art fließt hier der Schmalz aus allen Poren, wenn die Streicher sich zum Crescendo erheben und das seichte Thema anstimmen. Das Tolle ist nicht, wie man hiermit versucht, die Aufmerksamkeit des Hörers wiederzugewinnen, sondern das Faszinierende ist, dass es funktioniert.  Wer für derartige Hollywood-Romantik etwas übrig hat, wird hier vollauf bedient und mit einem wirklich schönen Thema zufriedengestellt.

Das Hauptthema ist der große Bonus, ohne den die Musik viel von ihrer Kraft eingebüßt hätte.  Mit diesem Thema bleibt dieser Soundtrack zwar brav, harmlos und teilweise etwas bieder mit ein paar Längen, doch insgesamt ist diese Musik besser als vieles, was auf den Filmmusikfan ansonsten in der letzten Zeit losgelassen wurde.

Fazit: Wer auf großorchestrale Hollywoodmusiken steht, kann hier bedenkenlos zugreifen. Die Orchestrierung ist gut, auch wenn das gesamte Konzept mittlerweile arg bieder anmutet: großes Orchester, Chor, viel Percussion; wann hat man das in den letzten Jahren mal nicht gehört, wenn es monumental zugehen sollte. Monumental ist dieser Score zwar nicht, doch bombastisch auf jeden Fall.
 
1/2se, 29.4.2010

 

 

 

 
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