THE TOWERING INFERNO (Flammendes Inferno, USA 1974)
Regie: John Guillermin
Darsteller: Paul Newman, Steve McQueen, William Holden, Faye Dunaway, Richard Chamberlain, Fred Astaire u.a.
Musik: John Williams
Verleih: Warner
158 Min. / 2 CD Set
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| Eine wirklich tolle Edition des Überkatastrophenfilms The Towering Inferno kommt diese Wochen von Warner Home. Aufgeteilt auf 2 DVDs haben wir einmal den Film als 158 Minuten Opus (+ Audiokommentar) und auf der zweiten Scheibe viele Infos in Form von Rückblicken unzähliger Beteiligter sowie recht viel Archivmaterial. Leider fehlt, wie so oft, ein Blick auf die Musik, was uns mitunter natürlich besonders interessiert hätte. Die Informationen sind in viele, leider kurze Teile aufgesplittet. Noch zahlreicher sind die deleted und expanded scenes, die geschickterweise in Farbe und schwarz/weiss gehalten sind um sie von den bestehenden Szenen unterscheiden zu können. Irwin Allen war, man verzeihe mir den Vergleich, etwas wie eine Mischung aus Jerry Bruckheimer/Roland Emmerich/Michael Bay der 70er. Seine Filme mussten immer Überlebensgrösse haben und waren mit spektakulären Szenen und durchaus gerne dick aufgetragenen Liebesgeschichten gespickt. Wenn Allen auch lange versagt blieb den Regiestuhl bei den grossen Produktionen zu besteigen – bei Towering Inferno wollte er dies zwar unbedingt, doch das Studio bestand auf einem Regisseur, John Guillermin, der mit Schauspielern umzugehen wusste (Allen inszenierte schliesslich in Second Unit Funktion die vielen Actionszenen) – so machte er sich doch einen Namen als Macher, als Produzent mit viel Einfluss und Macht. Filme wie die beiden Poseidons, The Swarm (hier führte er selber Regie) aber vor allem seine in den USA unvergessenen TV-Serien (Lost in Space, Time Tunnel, Land of the Giants etc.) trugen die unverkennbare Handschrift Master of Disaster und Science Fictionist par excellence. The Towering Inferno war sowas wie ein Kulminationspunkt, für Allen ebenso wie für das Genre Katastrophenfilm. Bigger, better, louder. Die Besetzung hatte wie gewohnt fast epische Ausmasse: Paul Newman und Steve McQueen in den Hauptrollen und viele kleinere und grössere Nebenrolle, besetzt mit Altstars wie William Holden und Fred Astaire und aktuelleren „Grössen“ wie Faye Dunaway, Richard Chamberlain, O.J. Simpson (ja, der O.J.) oder Robert Wagner und Robert Vaughn, die fast alle einen grausigen Filmtod erleiden sollten. Zur Story: In San Francisco wurde der mit über 550m höchste Wolkenkratzer der Welt aus dem Boden gestampft und die High Society feiert, notabene im obersten Stock des 135 stöckigen Glaspalastes, Eröffnung. Aus Unachtsamkeit und bewusster Schlamperei beim Bau bricht im 81. Stock ein Feuer aus und führt zu einer gewaltigen Katastrophe. Newman ist der Architekt dieses gläsernen Ungetüms, McQueen gibt den unerschrockenen Feuerwehrchef. Wie so oft hält auch dieser Genrefilm, das liebe ich an den Katastrophenfilmen der 70er, eine ausgedehnte Einführung der Charaktere – hier allerdings zumeist etabliert, nachdem die Katastrophe ihren Beginn genommen hat - und vielen Nebengeschichten (Starautor Sterling Silliphant, In the Heat of the Night sorgte für die Kombination der beiden Vorlagen) bereit. 14$ Millionen verschlang das Projekt und die lange Produktionszeit zahlte sich aus: Der Film war ein grosser Erfolg und spielte in den USA 116$ Millionen ein. The Towering Inferno ist ein harmloser, recht langgezogener Filmspass mit prächtigen Actionszenen und Stunts, wie man sie zu jener Zeit nicht allzu oft gesehen hat (man bedenke: Keine Computereffekte!).
Inferno-Musik Seinen Stempel drückte dem Film auch John Williams auf, damals kurz vor dem Aufsteig zu einem der gefragtesten Komponist Hollywoods. Im selben Jahr sollte er ausserdem einen weiteren Film des Genres vertonen: Earthquake (im persönlichen Vergleich gewinnt bei mir dabei das „Flammende Inferno“). Mit Irwin Allen verband Williams eine ausgedehnte Zusammenarbeit, so schrieb er für Time Tunnel und Land of the Giants die Titelthemen und 1972 den Score zu The Poseidon Inferno. Williams’ Musik wird von einem herzhaft eingängigen Marsch, der über den eröffnenden Shots aus und von einem Helikopter äusserst prominent eingesetzt zu hören ist. Im Verlaufe der vielen Actionszenen findet dieses Thema in Teilen und kurzen Variationen Verwendung, erst im Finale des Films ist es wieder in seiner ganzen Pracht zu hören. Den Song „We May Never Love Like This Again“, im Film auf der Eröffnungsparty vorgetragen (und mit dem Oscar ausgezeichnet) adaptiert Williams in seinen Score und setzt ihn, nebst einem eigenen Stück, als Liebesthema ein. Mittels einer Neueinspielung gelangten Teile des Scores als LP in den Handel, die sich zweifellos auch dank des Songs hervorragend verkaufte. Erst 2001 erschien eine bei Film Score Monthly eine CD mit den originalen Filmaufnahmen. The Towering Inferno ist mir mit The Cowboys und Images der liebste Pre-Blockbuster-Ära Williams und ein im Film ein besonderes Ereignis. | | | | Bewertungen phb, 11.12.2009 |
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