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JOHN WILLIAMS & STEVEN SPIELBERG – THE ULTIMATE COLLECTION

John Williams

Sony Music

3 CDs:
232:12 Min.
44 Tracks

DVD:
22 Min.


  

1974 war zum ersten Mal eine Filmmusik von John Williams zu einem Spielfilm von Steven Spielberg zu hören: The Sugarland Express. Dieser Film markierte den Anfang einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit, die sich 2016 mit The BFG zum 27. Mal fortsetzte. Das allein wäre schon beeindruckend. Doch kommt dazu, dass so mancher Film und die dazugehörige Musik zu weltbekannten, preisgekrönten Klassikern geworden sind – Indiana Jones (1981), E.T. – The Extra-Terrestrial (1982), Jaws (1975), Schindler’s List (1993) und Jurassic Park (1993). 1991 feierte das erfolgreiche Duo seine Zusammenarbeit mit einer Aufnahme neuer Arrangements der Hauptthemen und meistgeschätzten Musikmomente aus den bisherigen Filmarbeiten, eingespielt vom Boston Pops Orchestra (Williams war 1980 bis 1993 Chefdirigent dieses renommierten Orchesters). 1997 wurde diese Serie mit einer Volume 2 fortgesetzt und 2017 folgt nun eine dritte CD mit Neueinspielungen liebgewonnener Klassiker und Themen aus den jüngsten Spielberg/Williams-Zusammenarbeiten als auch von Klassikern. Diese drei CDs und eine DVD mit einer Kurzdoku zu den Aufnahmen für Volume 3 hat Sony Music in ein schönes und insbesondere sehr preiswertes 3-CD-/DVD-Set verpackt, das man sich für gerade mal CHF 30 (physischer Release) erstehen und anschliessend während vier Stunden in Filmmusik vom Feinsten eintauchen kann!

An diesem CD-Set gibt es lediglich auf hohem Niveau bzw. auf Ebene eingefleischter Filmmusik- und Williams-Enthusiasten etwas auszusetzen: die Zusammenstellung. So fällt als erstes auf, dass nicht von jeder Williams/Spielberg-Zusammenarbeit je mindestens eine Komposition auf dem Set zu finden ist – mit dem Label „Ultimate Collection“ hätte man das wohl erwartet. So sind weder von The Lost World: Jurassic Park (1997), noch von A.I. – Artificial Intelligence (2001) und War of the Worlds (2005) Themen/Stücke/Suiten neu aufgenommen worden. Dabei hätten das Hauptthema von The Lost World und das herzzerreissende For Always-Thema aus A.I. definitiv zum Hörgenuss beigetragen. Ein Beitrag aus War of the Worlds wäre ebenso willkommen gewesen, wenn auch in diesem Falle weniger wegen Wohlklang sondern aufgrund der deftigen, dunklen, bedrohenden Thriller-Stimmung (bspw. The Ferry Scene) und damit einer nicht minder beeindruckenden Musik von Williams, die auf ganz anderem Ton spielt. Hingegen ist mit Flying, Over the Moon und Adventures on Earth die Musik zu E.T. – The Extra-Terrestrial etwas überpräsent und auch aus Hook (1991) haben es satte fünf Stücke (alle auf CD 2; evtl. war der Zeitabstand von 1991 zu 1997 etwas zu knapp?) auf die Compilation geschafft. Zudem wird auch Catch Me if you Can (2002) mit der dreiteiligen, total knapp 16-minütigen Suite Escapades for Alto Saxophone and Orchestra viel Zeit eingeräumt. Aufgrund der Einspielungszeiträume, hätten die drei abwesenden Zusammenarbeiten (The Lost World, A.I. und War of the Worlds) allesamt auf der 3. CD berücksichtigt werden müssen, doch mit dem Trimmen der Catch Me if you Can-Suite auf das 3-minütige Hauptthema beispielsweise hätte das klappen können.

Wenn man von dieser Kritik bezüglich der Zusammenstellung absieht, ist das Set einfach nur ein beeindruckendes Testament für das einflussreiche, facettenreiche Schaffen von John Williams. Alle hier zu hörenden Stücke sind mindestens hörenswert bis absolut meisterhaft. Dabei reicht die Tonalität von überdrehter Verspieltheit, zu reflexiver Melancholie, warmer und pastoraler Americana, berührender Dramatik und bis hin zu mitreissender Abenteuermusik und Romantik. Und wenn man nun noch bedenkt, dass Williams‘ ikonographische Musik zu Star Wars (1977–2015) gar nicht auf diesem bereits beindruckenden Oeuvre-Überblick vertreten ist – sowie auch weitere weltberühmte Melodien zu Harry Potter (2001–2004) Home Alone (1990/1992), Superman (1978) und seine Arbeiten für die Olympischen Spiele –, dann verdeutlicht dies die Tragweite seines Schaffens im Bereich der Filmmusik und der zeitgenössischen Musik noch weiter.
Dieses CD-Set kann vor allem jenen, welche sich in seine Arbeiten «reinhören» möchten, absolut empfohlen werden. Die eingefleischten Williams-Fans werden mit dieser Compilation kaum neue Aha-Momente erleben, doch das Hörerlebnis bleibt beeindruckend und mitreissend. Und Stücke wie Dry Your Tears, Africa, Hymn to the Fallen und Victor’s Theme in neuen, kraftvollen, enthusiastischen Aufnahmen zu hören, macht Freude.

Noch zur DVD: Die Dokumentation ist kurzweilig geraten. Die Statements und Kommentare von Spielberg und Williams gehen selten über die bekannten gegenseitigen Lobe hinaus. Das hört man sich in Kombination mit Ausschnitten aus den Aufnahmen des 3. Albums gerne an, doch wären noch ein paar tiefergehende Kommentare zur Zusammenarbeit sicherlich spannend gewesen. Oder auch kurze Anekdoten zu den einzelnen Projekten – sicherlich gäbe er hiervon Dutzende. Nichts desto trotz:

 
 bb 15.5.17
 
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