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Golden Age

 

 

THE RED PONY / THE HEIRESS

Aaron Copland

Intrada ISC 373

67:48 Min.
29 Tracks

 
  

Beim relativ bescheidenen filmmusikalischen Vermächtnis von Aaron Copland sticht das Jahr 1949 ganz besonders hervor, konnte er da doch gleich zwei seiner bedeutendsten Scores verbuchen, und für einen davon gab's sogar den Oscar. Nun erstmals auf einer CD vereint und mit der Filmeinspielung von The Heiress als Erstveröffentlichung im Angebot, läutet Intrada das neue Jahr mit einem besonderen Leckerbissen ein.

The Red Pony, nach einer Novelle von John Steinbeck, die der Autor gleich selbst für die Leinwand bearbeitete, ist zweifellos die bekannteste Filmmusik von Copland, da sich die daraus erstellte Suite auf Konzertbühnen und bei Plattenaufnahmen gleichermassen Beliebtheit erfreut. Die rund halbstündige Präsentation auf dieser CD ist die bislang längste (der Komponist hatte um die 50 Minuten Musik geschrieben), wenn auch als Zusatzmaterial gegenüber einer alten Varèse-Veröffentlichung lediglich die Main- und End-Titles dazugekommen sind.

Das amerikanische Farmerleben mit all seinen Viechern aus der Sicht von Kinderaugen beflügelte Coplands Fantasie. Seine abwechslungsreiche Musik arbeitet sich durch rustikale Volksmusik, grotesk anmutende Zirkusklänge und irreale Momente. Auch das Gefühlvolle, allzu Sentimenale Ausklammerde und das im positiven Sinne Simple hat seinen Platz. Als Besonderheiten in der Orchestration gilt es Spielzeugtrompete und Tuba zu erwähnen, sowie drei Bassklarinetten, die dunklere und tragischere Ereignisse proklamieren. Des Weiteren bot sich dem Komponisten die Gelegenheit, «Kindermusik» aus seinem nie zur Aufführung gelangten Musical
Tragic Ground zu verwenden. Aus gutem Grund gehört der bemerkenswerte Score zu The Red Pony zu den Eckpfeilern der sogenannten «Americana»-Musik.

The Heiress ist die Verfilmung eines auf einem Henry-James-Romans basierenden Broadway-Stückes, die unter William Wyler entstand. Der Regisseur sah nicht die Notwendigkeit von allzu viel Musik; sie sollte in erster Linie die unterschwelligen psychologischen Feinheiten der Charaktere (allen voran Olivia de Havilland, Montgomery Clift und Ralph Richardson) andeuten. Diese Vorgabe lässt Copland konsequent in seine Musik einfliessen. Obwohl zu Beginn alles normal und glücklich scheint, suggerieren leichte Disharmonien anderes. Später wird der Komponist mit Dissonanzen noch deutlicher, und er setzt auch hier wieder drei Bassklarinetten ein, «weil sie bei The Red Pony so gut funktionierten.»

Thematisch gesehen besitzt
The Heiress nicht allzu viel Wiedererkennungswert, abgesehen vom Hauptthema und dem alten französischen Liebeslied Plaisir d'Amour, das Copland auf Wusch von Wyler in den Score einarbeitete und das ihm im Nachhinein noch einigen Ärger bescherte. Es wurde ohne Wissen und Zustimmung seinerseits auf Geheiss der Produzenten von Nathan Van Cleave (der auch ein paar Tänze für eine Party-Szene adaptierte) ins Prelude eingebunden, und zwar, wie André Previn befand, «geschickt, hübsch und völlig fade.» Intrada hat sich glücklicherweise der Originalversion erbarmt und die Überarbeitung in die Extras gesteckt, wo sie auch hingehört.

Dass die Qualität einer Musik nicht zwangsläufig von ihrem Wiedererkennungswert abhängt, erkennt zuweilen auch die Academy, die den Score zu
The Heiress als auszeichnungswürdig erachtete, während The Red Pony nicht einmal nominiert wurde. Aus heutiger Sicht kann man sich zu Recht fragen, ob es nicht umgekehrt hätte sein sollen. Denn obwohl ersterer seiner primären Aufgabe mehr als gerecht wird, gehört er eher zu den vergessenen Oscar-Gewinnern, während Popularität und Einfluss von letzterem ungebrochen sind. Sicher ein schönes Beispiel dafür, wie wenig sich solche Auszeichnungen doch letztlich auf die öffentliche Wahrnehmung auszuwirken vermögen.

Akustisch darf man von der Scheibe keine Wunder erwarten, man holte aber aus den alten Acetatplatten vor allem bei
The Red Pony noch recht viel heraus, und auch The Heiress ist gemessen am Alter meist recht aktzeptabel. Filmmusikhistorisch gesehen ist der Klang jedoch sowieso fast nur nebensächlich, handelt es sich hierbei doch um eine bedeutende Veröffentlichung eines bedeutenden amerikanischen Komponisten.

 
 as 12.3.2017
 
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