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Start CD Rezensionen short score 2017: short score 16
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short score

 

 

SKY HIGH
Michael Giacchino (Intrada)


Es war die Phase von Lost, Alias, The Incredibles und diversen Musiken für Videospiele als Michael Giacchino die Musik zu Sky High (2005) schrieb, einem heute wie damals ziemlich billig anmutenden X-Men Verschnitt über eine Schule für Superhelden (oder solche, die es werden wollten). Anstatt tolle Effekte und eine gewitzte Geschichte gab es vor allem bunte Kostüme und eine Augen verdrehende Story; und eine bunte Musik.
Sky High ist kein grosser Wurf des inzwischen 49 Jährigen, der im Begriff war sich einen Namen in der Filmmusikwelt zu machen. Ein Jahr später sollte der erste ganz grosse Studiofilm mit Mission: Impossible III folgen, danach Ratatouille, Star Trek und der Oscar mit Up. Der Rest ist Geschichte. Doch mit Sky High war Giacchino noch weit davon entfernt, selbst ein gut gemeinter Titelmarsch mag nicht so richtig in die Gänge kommen und von den Emotionen, die Giacchino im Booklet ankündigt, ist nicht allzu viel in die Musik geflossen. Kreuzen wir bei den 50 Minuten plus Extras „Karrierestarthilfe“ an und legen die CD zur Giacchino Sammlung.

1/2   phb

 
 



 

PASSENGERS
Thomas Newman, Sony

 

Für seine Musik zu Passengers (2016) hat Thomas Newman seine 14. Oscar-Nomination erhalten. Das ist beachtlich und zweifelsohne ist Newman damit überreif für eine Goldmännchen-Auszeichnung. Doch ist diese jüngste Nomination deshalb obskur, weil die Musik eine aussergewöhnliche emotionale Stossrichtung oder Originalität vermissen lässt – ersteres ein häufiges Problem mit Scores aus Thomas Newmans Feder. Soll heissen: Passangers springt nicht selten abrupt zwischen atmosphärischen, dramatischen, dunklen, romantischen und gar komödiantischen Musikmomenten, präsentiert in kurzen Stücken, hin und her. Das macht mit dem Bildkontext Sinn – und daher wohl auch die Nomination –, doch ausserhalb des Films ist die Musik kaum greifbar. Zudem erinnert sie an unzählige frühere Arbeiten des Komponisten und auch ein definierendes, eigenständiges Thema fehlt. Die Musik ist deshalb nicht misslungen und bietet für Fans der kompositorischen Stilismen Newmans ein veritables Best-of-Destillat. Doch vermag diese Musik im Oeuvre des Komponisten nicht herauszuragen wie damals beispielsweise The Good German (2006) oder Angels in America (2003).

   bb
 
 

 

 

THE FRENCH CONNECTION COLLECTION
Don Ellis, Brad Fiedel (La-La Land)


Einige Jahr sind vergangen seit der Veröffentlichung bei Film Score Monthly. Die CD war rasch ausverkauft und wurde zum gesuchten und teuren Sammlerstück. Dem dürfte nun mit dieser La-La Land CD ein Riegel vorgeschoben worden sein, es sei denn man bezeichne sich als puristischen „Labelsammler, ganz abgesehen davon, dass hier ein wenig mehr Musik plus Brad Fiedels Score zum Piloten der geplanten, aber nicht realisierten TV-Serie Popeye Doyle, geboten wird.
Don Ellis' Musik ist eine Jazzkakaphonie, die sich vom Stil anderer Cop Filme (wie etwa Bullitt) nochmals unterschied und die Grenzen in Sachen Atonalitäten und Jazzharmonien abermals auslotete. Der Jazzmusiker, der selber Trompete und Schlagzeug spielte, kam aber auf die Tatsachen des harten Filmgeschäfts zurück als Regisseur Friedkin so einiges aus Ellis' Score anders oder gar nicht verwendete (Friedkin setzte sich beim Studio und den Produzenten vehemment dafür ein, dass Ellis mit The French Connection seine erste Filmmusik abliefern konnte). Nach dem durchschlagenden Erfolg des Films folgte vier Jahre später die Fortsetzung The French Connection II, die mehrheitlich in Marseille spielte und nicht an das Original anknüpfen konnte. Gene Hackman war mit von der Partie, Roy Scheider nicht, die Regie übernahm John Frankenheimer. Und Ellis lieferte eine nochmals um einige Grad gesteigerte, wesentlich pessimistischere Komposition ab. Nur drei Jahre später, 1978, starb Don Ellis im Alter von 44 Jahren.
Brad Fiedels Anspruch an die versuchte TV-Serie, zu hören auf CD 2, war eine andere, verwendete der 1984 mit Terminator bekannt gewordene Musiker ein ausschliesslich elektronisches Instrumentarium. Ein Kuriosum allenthalben, nicht mehr.

  phb

 
 


 

 

ALL I WANT FOR CHRISTMAS
Bruce Broughton (Intrada)


Viel gibt es nicht mehr im Oeuvre des leider freiwillig berenteten Bruce Broughton, das nicht das Licht der Veröffentlichungswelt erblickt hätte. Eine seiner Arbeiten, die bisher eher stiefmütterlich behandelt wurde, war die Musik zum Weihnachtsfilm All I Want for Christmas. Gerade mal 15 Minuten seines Scores liess uns das Label Curb auf der 1991er CD, die mit dem Release des Films herausgebracht wurde, hören. Aber Intrada hatte wieder ein einsehen mit den Broughton-Fans und abzüglich der Ausschnitte von Werken eines Mozarts, Mendelssohn und ein, zwei Weihnachtssongs, die Broughton Spielzeit jetzt immerhin verdoppelt. Gerade rechtzeitig zu Weihnachten natürlich, womit wir Filmmusikfans anstatt Jurassic Park doch noch Weihnachtliches zum langsam rieselnden Tannenbaum hören konnten. Spätestens seit dem wunderschönen Miracle on 34th Street weiss die Filmmusikgemeide: Broughton kann es weihnachtlich besonders!

1/2    phb

 
 


 

THE SPACE BETWEEN US
Andrew Lockington (Sony)


The Space Between Us (2016) ist eine Science-Fiction-Liebesgeschichte, angesiedelt im Jahr 2034. Der Film erzählt die Geschichte von Elliot, welcher auf dem Mars geboren wurde und dort aufwuchs. Er pflegt eine Skype-Freundschaft mit Tulsa, die auf der Erde wohnt. Neugierde und Einsamkeit treibt ihn dazu an, auf die Erde zu reisen, wo er zum einen Tulsa treffen will, aber auch seinen leiblichen Vater finden möchte. Die Filmmusik hierzu stammt von Andrew Lockington. Dieser schuf eine melancholische Orchestermusik rund um ein starkes Hauptthema, die sich zwischen Klangspielereien und Rhythmen von Thomas Newman, kühlen und mysteriösen Momenten à la Interstellar (2014) und Gravity (2013) und warmen Dramaklängen bewegt. Das Stück Biplane ist eine Wucht und eines der schönsten Stücke des Filmmusikjahres 2016. Schade, dass Lockington keine Möglichkeit sah, das Album nach den Stücken Fall to Earth, Ocean und Race to Save Gardner mit einem ähnlich „hochfliegenden“ Themenstatement beenden zu können. Dennoch bleibt der Score zu The Space Between Us trotz all seinen ausgeprägten Anleihen an andere, zeitgenössische Filmmusiken eine schöne Überraschung, die sich anzuhören lohnt.

   bb

 
  

 


 

FIGHTER SQUADRON
Max Steiner, BYU


Dass nicht jeder Film mit Flugzeugen uns die Faszination des Fliegens näher bringt ist, wissen wir seit Jet Pilot mit John Wayne (ausser für jene Zeit tolle Flugaufnahmen funktionierte da nichts, aber auch gar nichts) oder Top Gun mit einem jungen Tom Cruise, alles andere ein Meisterwerk des Filmschaffens. Letzterer ist ein Beispiel dafür, dass Filmmusik zu einem Fliegerfilm nicht automatisch packend sein muss.
Blättern wir einige Jahrzehnte zurück. Fast 70 Jahre sind vergangen seit Raoul Walsh mit
Fighter Squadron Fliegermilieu im Zweiten Weltkrieg porträtierte. Der Film mit Robert Stack ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, gespannt durfte man auf die neue BYU CD mit Max Steiners Musik dennoch sein. Doch auch Steiner mochte nicht so richtig warm werden mit der Thematik, anders ist seine erstaunlich laue Arbeit hier kaum zu erklären. Okay, 11 Musiken in einem Jahr rauszuhauen ist auch für einen Steiner kein Pappenstiel, mit Treasure of Sierra Madre und Adventures of Don Juan hatte er im selben Zeitrahmen dennoch zwei höchst gelungene Kompositionen zu bieten, anders als der Pomp und das Hurra von Fighter Squadron, dessen zweite Hälfte geniessbarer ist. Mag man Steiners Mickey Mousing und kübelweise patriotischen Touch, beschert Fighter Squadron einige luftig leichte Minuten.

  phb
 
  



 

FENCES
Marcelo Zavros, Sony


Mit Fences (2016) lieferte Denzel Washington eine starke, berührende Adaption des gleichnamigen Stücks von August Wilson ab. Reichhaltige Dialoge und mehrfach preisgekröntes Schauspiel von Washington selbst und seiner Partnerin, Viola Davis, wurden mit viel Kritikerlob bedacht. Die Musik hingegen spielt einen untergeordneten Part. Marcelo Zarvos komponierte ausnahmslos ruhige, intime und melancholische Klänge – ja kein Mucks, der die Dialoge stören könnte! Dieser Ansatz macht Sinn, verblasst abseits der Bilder jedoch fast gänzlich. Die Klaviersoli lassen Erinnerungen an ebenso intime Scores von James Horner wach werden, doch fehlt hier das eine oder andere Quäntchen extrovertierteres Drama – am ehesten im Schlussstück God’s Closet. Damit ist Zarvos‘ Musik primär filmdienlich ausgefallen und als reines Hörerlebnis blass bis bedrückend. Etwas anderes hätte dieser Film jedoch wohl nicht mittragen können. Dass diese fragile, anonyme Komposition vier Mal von vergleichbar markerschütternden Gospel- und Soul-Stücken „zerschmettert“ wird, ist aus albumproduktionstechnischer Sicht höchst unglücklich gewählt.

   bb

  
  


 

ARRIVAL
Johann Johannsson, Deutsche Grammophon


Johann Johannsson teilt die Filmmusikwelt derzeit wie kaum ein anderer der neueren Komponistengilde in zwei Lager. Die einen sehen ihn ihm einen der originellsten Musiker, andere finden absolut keinen Zugang zu seinem Werk. Bei Johannsson, so scheint es, geht es oft darum, ob einen dessen düstere, bleiern schwere Musikerseele packen kann oder nicht. Während Theory of Everything weitum zugänglich war, waren es die Kompositionen zu Prisoners, Sicario oder aktuell Arrival nicht. Freude macht, dass Johannsson abseits jeglicher breit getretener Pfade seinen Weg ohne Irrungen verfolgt. Bisher hat er sich nicht verbiegen lassen; das ist eine Seltenheit geworden. Arrival verbindet mehr als seine anderen Werke zuvor Sounddesign und Komposition. Einst triumphierten gewisse Seiten, wie Howard und Zimmer mit ihren Musiken zu Nolans Batman die Zukunft der Filmmusik mit ihrer Toneffektmusik einläuteten, aber gegenüber Arrival nehmen sich diese Versuche wirklich wie zahme Wässerchen aus. Arrival ist beinharter, hochprozentiger Wodka für die Ohren. Wer einen Score für einen Science Fiction Film mit Pauken und Trompeten, voller Triumph und Melodien, erwartete, dem dürften bei Arrival die Lauscher ins Bluten kommen. Joahnnsson benützt zwar Orchester (die Prager) und Stimmen, aber in einer Art und Weise, die derart frisch und experimentell, atonal und packend zugleich ist, dazu werden elektronische und Aufnahmeeffekte gesetzt. Nach dem tollen Sicario ein weiterer Johannsson, der verflixt schwierig zu geniessen ist, kann man sich dem öffnen, dann macht dieser Score wirklich Eindruck!
   phb

 
 14.2.2017 
 

 


 
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